Regent
(Der Name ist abgeleitet vom berühmten Diamanten (140,5 Karat) aus Indien, der im Jahr 1722 bei der Krönung Ludwigs XV. (1710-1774) auf dessen Krone und später von Marie-Antoinette (1755-1793) als Schmuck getragen wurde. Napoleon (1769-1793) benutzte ihn als Degenknauf. Heute befindet sich der Regent im Louvre in Paris)
Die rote Regent-Traube ist das Ergebnis jahrzehntelanger Bemühungen der Weinbauforscher, eine pilz- und damit schädlingsresistente Sorte hervorzubringen, die gleichzeitig aber auch guten Wein liefert. Dem Weinbauforscher Gerhardt Alleweldt vom Geilweilerhof in der Pfalz gelang mit Regent ein Glücksgriff. 1967 hat er aus der Kreuzungsnummer 198 unter vielen Sämlingen denjenigen mit der Zahl 3 herausgefischt. Das ergab dann die Zuchtnummer Gf. 67-198-3 (Gf.=Geilweilerhof).Der Regent basiert auf einer Kreuzung der weißen Sorte Diana und der roten Sorte Chambourcin. Diana selbst ist aus Silvaner und Müller-Thurgau hervorgegangen und im Chambourcin stecken wiederum 35 französische Kreuzungen, so genannte Hybridsorten, die wiederum Erbanteile tragen von sieben amerikanischen Wildrebenarten. Von diesen Ahnen dürfte auch die Pilzresistenz stammen.
Die Resistenzzüchtung fand in den 70ern und 80er Jahren allerdings wenig Fürsprecher. Im Jahr 1985, kurz vor der Anbaueignungsprüfung von Regent, wurde es noch in Deutschland untersagt, Weine aus pilzwiderstandsfähigen Sorten als Qualitätswein in den Verkehr zu bringen. Dies wohl deshalb, weil man pilzresistenten Rebsorten eine unbefriedigende geschmackliche Qualität nachgesagt hatte. Erst als sich der weinbaupolitische Wind gedreht hatte, wurde Regent im Jahr 1996 in Rheinland-Pfalz zur Qualitätsweinproduktion zugelassen, andere Bundesländer sind nachgezogen (Bayern und Sachsen-Anhalt erst im Jahr 2000). Die Anbaufläche betrug im Jahr 1996 gerademal 11 Hektar und hat sich bis heute um fast das Hundertfache auf mehr als 1000 Hektar in den 13 deutschen Weinanbaugebieten erhöht.
Der dornige Weg, den der Regent hinter sich hat, zeigt, dass Fortschritte in der Landwirtschaft äußerst mühsam sein können und sofort heftige Gegenreaktionen hervorrufen, wenn nicht auf der Stelle 100-prozentige Resultate erzielt werden.
Der Weinbauforscher Gerhard Alleweldt vom Geilweilerhof ermöglicht daher in Deutschland wie vor 1845, als Mehltau und Reblaus in Europa noch unbekannt waren, einen naturnahen Weinbau und dies auf höchstem Qualitätsniveau.
Im Jahr 2002 wurden in Rheinland-Pfalz 2.900 ha Rebflächen aufgrund von Wiederbepflanzungsrechten neu angepflanzt. Der Dornfelder nahm mit über 36% aller Anpflanzungen den ersten Platz ein. 7,6% dieser Flächen wurden mit Regent bepflanzt. Im Jahr 2003 wurden von 2808 ha Neuanpflanzungen immerhin 12,5% mit Regent angelegt. 2004 ist der Regent Spitzenreiter bei den Neuanpflanzungen (557 ha, davon 198 ha im Anbaugebiet Pfalz), gefolgt von Dornfelder mit 462 ha (Pfalz 160 ha) und Riesling 378 ha (Pfalz 131 ha). Auf Platz vier der Neuanpflanzungen liegt der Grauburgunder mit 327 ha (Pfalz 114 ha). Insgesamt lagen 2004 bei Neuanpflanzungen die roten Rebsorten mit 62% gegenüber den weißen deutlich vorne.
Aufsätze/Literatur:
EIBACH, R.: Bisherige Erfahrungen mit der pilztoleranten Rotweinneuzüchtung Regent. Der Deutsche Weinbau 35, 1999, 34-39
ZYPRIAN/EIBACH/TÖPFER: Die genetische Karte von Regent. Deutsches Weinbau-Jahrbuch 55, 2004, 150-157
DÜRING,H.: Perspektiven der Rebenzüchtung. Das Deutsche Weinmagazin 23, 2003, 26-27
EIBACH, R.: Der Regent auf Erfolgskurs, Der Deutsche Weinbau 25, 1993, S.16-18
VOGEL, R: Regent - Ein neuer Rotweintyp, Der Badische Winzer 10, 1999 S. 24-25
KNOTT/SCHWAB/WAHL/SCHOTTDORF: Neue Rotweinsorten in der Prüfung - Die pilztolerante Rebsorte Regent, Rebe und Wein, Heft 2/99
DETTWEILER/JUNG: Die Bedeutung alter Rebsorten früher und heute. Deutsches Weinbau-Jahrbuch 52, 2001, 113-118
Stammbaum der pilzresistenten Rebsorte Regent
Quelle: Bundesforschungsanstalt für Rebenzüchtung, Siebeldingen (Geilweilerhof)