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Wer Geld und keine Kinder hat, der ist nicht wirklich reich. Wer Kinder und kein Geld hat, der ist nicht wirklich arm. (chin. Sprichwort)

Familie

Trotz der grundgesetzlich festgeschriebenen Schutzpflicht des Staates haben es Familien immer schwerer: Arbeitslosigkeit, bezahlbarer Wohnraum, Kürzung des Sozialetats und ein Wertesystem, in dem die Mutterrolle nicht als Beruf zählt. Besitz ist alles: Nachvollziehbar in einer Gesellschaft, die den Wert eines Menschen an der Höhe seines Bankkontos misst: Habenichts wird gleichgesetzt mit Taugenichts.Wen wundert es daher, dass der Klapperstorch schon seit langem bei uns Flug- und Landeverbot hat.

Übersehen wird, dass der wirtschaftliche Erfolg einer Gesellschaft auch vom Erfolg des Modells Familie abhängt. Die Familien tragen und finanzieren unsere Gesellschaft. Intakte Familien sind wichtig, damit Kinder ihre Kraft und ihr Selbstbewusstsein aus dem Gemeinschaftsgefühl zu Hause beziehen können und die Kälte der Leistungsgesellschaft wenigstens durch die Wärme einer Familie gemildert werden kann. Der Grundstein für ein Zurechtfinden in der Gesellschaft mit lebenslangem Lernen wird durch Erziehung gelegt ("Kinderstube").

Kinder - Erziehung

Erziehung sei "Vorbild und Liebe, sonst nichts", konstatierte einst der Pädagoge Friedrich Fröbel als er 1837 den ersten Kindergarten gründete. "Alles andere sei allenfalls Dressur" haben andere Pädagogen hinzugefügt. Aber so einfach scheinen die Dinge am Beginn des dritten Jahrtausends nicht zu liegen.

Allgemein kann man sagen, dass das Verhalten eines Menschen seiner Erziehung und seinen Erfahrungen folgt. Erziehung ist somit auch Vermittlung von Wertbildern, Verhaltensmustern und Lebenshilfen. Erziehen, das heißt: die wachsende und sich entwickelnde Persönlichkeit in die Umwelt einzufügen, dem werdenden Erwachsenen die Welt so zu zeigen, dass er sich später darin zurechtfinden kann.

Weltbild

Dazu bedarf es eines Weltbildes: Früher, und genau da muss man anfangen, vermittelten die Alten und Erfahrenen ein solches Bild. Der Vater kannte sich im Berufsleben aus, die Mutter in den Problemen des Alltags, die Großmutter bot beim abendlichen Plausch das "Entertainment". In jedem Dorf, in jedem Lebenskreis gab es den einen oder anderen, der herumgekommen war und davon erzählen konnte. Das alles war dann die Welt in Realität und Vorstellung, in die ein junger Mensch hineinwuchs, vollgestopft mit vermittelten Erfahrungen, verknüpft mit moralischen Wertungen.

Die Zeiten haben sich geändert: Die Großmütter überwintern auf Mallorca und in jeder dritten Familie leben nicht einmal mehr Vater und Mutter in der Originalbesetzung zusammen. Denn jede dritte Ehe wird geschieden: Allein  in Rheinland-Pfalz wurden im Jahr 2005 10.700 Ehen durch die rheinland-pfälzischen Familiengerichte geschieden, davon 1300 Ehepaare nach über 25 Jahren Ehedauer und 7 Ehepaare ließen sich noch nach der goldenen Hochzeit, somit nach über 50 Jahren scheiden). Neben diesen Eheleuten waren in Rheinland-Pfalz 2005 noch 9000 Kinder von Scheidungen beroffen "Scheidungswaisen", so dass allein im letzten Jahr in Rheinland-Pfalz über 30.000 Menschen unmittelbar von Ehescheidungen betroffen waren.

Auch die noch intakten Familien werden durch das immer rauhere Klima im Arbeitsleben und drohenden Arbeitsplatzverlust immer mehr zermürbt.

Medien 

Erschöpfte Eltern treffen sich daher oft nicht mehr abends im Familienkreis, sondern nur noch als voll verkabelte Gruppe, im Familien-Halbkreis vor dem Fernsehapparat.

Vielfach ersetzen die Medien daher den Vater als Berufserfahrenen, die Mutter als Ratgeberin zu den Problemen des Alltags. Elterliche Ratschläge sind kaum noch gefragt, scheitern gar am Einwand, im Fernsehen hätten sie das aber ganz anders gesagt, von der Mattscheibe kommen ganz andere Signale. Selbst in der Fernsehwerbung, die uns die deutsche Vierkopf-Familie gern im gebündelten Sonnenschein serviert, brüht der Vater nur noch tapsig und trottelig die Maggi-Fertigsuppe auf.

Die große weite Welt kommt live und in Farbe in die gute Stube. Und da es einen Konkurrenzkampf um die Einschaltquoten gibt, muss "action" zur Köderung der Sehkomsumenten her: Mord, Totschlag, die großen und die kleinen Unglücke des Lebens - neudeutsch "Reality-TV". Für die Vermittlung von moralischen Wertmaßstäben bleibt da wenig Raum.

Werte

Die Frage ist daher: Welche Autorität soll noch intakt bleiben? Welche Werte sollen die Jugendzeit überdauern? Vorbilder sind gefragt, mehr denn je. Es geht nicht um die Bullerbü-Familie mit den Bratäpfeln im Rohr, drei Generationen unter einem Dach. Aber die Vereinzelung innerhalb der Gesellschaft kommt sicher auch von der Unfähigkeit zu Bindungen, weil diese in der Familie nie als glücklich, als wärmend empfunden wurden. 

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